Zürich-Kompetenz Vertiefungsmodul 2026

Juli 8, 2026 | Archiv, Medienspiegel, VIOZ News

Vertiefungsmodul zu islamisch-theologischen Reflexionen in der Gegenwart

Im diesjährigen viertägigen Vertiefungsmodul von Zürich-Kompetenz, das in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Fribourg verwirklicht wurde, standen aktuelle Fragen islamisch-theologischer Reflexion und deren praktische Bedeutung für den Alltag im Zentrum. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart auseinander. Dabei diskutierten sie, wie islamische Werte bewahrt und zugleich auf neue gesellschaftliche Herausforderungen bezogen werden können. Die inhaltliche Auseinandersetzung erfolgte anhand von drei Schwerpunkten: zeitgenössische Koranexegese, islamisch-religiöse Praxis sowie Islam, Digitalität und Social Media.

Einführung und zeitgenössische Koranexegese

Den Auftakt am 30. Mai gestaltete Prof. Dr. Amir Dziri, Direktor des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft (SZIG) und Professor für Islamische Studien an der Universität Fribourg, mit einer Einführung in die islamisch-theologische Reflexion. Anschliessend gab Imam Rachid Oulouda einen Einblick in die Arbeit des «Majlis al-Ulama». Dieses Gremium der VIOZ besteht aus qualifizierten Imamen sowie Theologinnen und Theologen und befasst sich mit religiösen Fragen, die sich im gesellschaftlichen Kontext des Kantons Zürich stellen.

Die erste Vertiefung zum Thema «Zeitgenössische Koranexegese» wurde von Prof. Dr. Dina El Omari geleitet. Sie ist Professorin für interkulturelle Religionspädagogik und Leiterin der Arbeitsstelle für Islamisch-Theologische Genderforschung an der Universität Münster. Im Mittelpunkt standen die fachlichen Voraussetzungen und die Verantwortung, die mit der Auslegung des Korans verbunden sind. Zudem wurden die Chancen und Herausforderungen zeitgenössischer Zugänge sowie deren Auswirkungen auf den Alltag von Musliminnen und Muslimen thematisiert.

Islamisch-religiöse Praxis und digitale Lebenswelten

Am zweiten Modultag, dem 31. Mai, führte Abduselam Halilovic, Doktorand am SZIG und Vorstandsmitglied der VIOZ, die Teilnehmenden in das Thema «Islamisch-religiöse Praxis» ein. Dabei wurden Fragen aufgegriffen, die verdeutlichten, wie religiöse Werte und Autoritäten den Alltag von Musliminnen und Muslimen im schweizerischen Kontext prägen. Darauf folgte ein Praxisimpuls von Burim Luzha, der Einblicke in den Bereich der Sozialen Arbeit vermittelte.

In der anschliessenden Vertiefung «Islam, Social Media und Digitalität» setzte sich Dr. Dominik Müller, Dozent am religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Zürich, gemeinsam mit den Teilnehmenden mit dem Einfluss digitaler Medien auf muslimische Gemeinschaften und die religiöse Praxis auseinander. Diskutiert wurde unter anderem, wie sich religiöse Kommunikation, Wissensvermittlung und Autorität durch digitale Plattformen verändern.

Präsentationen und Abschluss

Am dritten Modultag legten die Teilnehmenden die Themen für ihre eigenen Präsentationen fest. Diese wurden am 4. Juli im Rahmen des vierten Modultags und der Abschlussfeier vorgestellt. Nach einem Begrüssungswort von VIOZ-Präsident Muris Begovic präsentierten die Teilnehmenden ihre Arbeiten. Dabei befassten sie sich unter anderem mit dem Unterschied zwischen dem Erlernen und dem Verstehen des Korans sowie mit der Frage, wie Moscheen junge Menschen heute mit oder ohne Social Media erreichen können. Die Präsentationen zeigten, dass die Digitalisierung zahlreiche Möglichkeiten eröffnet. So können beispielsweise mehr Menschen erreicht und religiöse Bildungsangebote niederschwelliger zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen. Dazu gehören die Verbreitung von Desinformation, die schwierige Unterscheidung zwischen authentischen und manipulierten Inhalten sowie die Überprüfung und Bewertung von Quellen. Insbesondere durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz wird diese Aufgabe immer anspruchsvoller. Vor diesem Hintergrund wurde auch diskutiert, welche Rolle Imame sowie Theologinnen und Theologen bei der Vermittlung religiöser Inhalte im digitalen Zeitalter übernehmen können und sollen.

Dialog, Ausblick und Zertifikatsübergabe

Im Anschluss an die Präsentationen leitete Prof. Dr. Amir Dziri eine Dialog- und Ausblicksrunde. Im Zentrum stand unter anderem die Frage, wie das im Modul erworbene Wissen in die Gesellschaft weitergetragen werden kann. Dabei wurde deutlich, dass gesellschaftliches Engagement häufig bei der eigenen Initiative beginnt: Wissen muss aktiv eingebracht, geteilt und in konkrete Projekte oder Angebote übertragen werden. Zum Abschluss erhielten die Teilnehmenden ihre Zertifikate und Teilnahmebestätigungen. Bei einem anschliessenden Apéro bot sich nochmals die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und sich über weitere Angebote von Zürich-Kompetenz zu informieren.

Wir bedanken uns herzlich bei allen engagierten Teilnehmenden, den Gastreferentinnen und Gastreferenten sowie allen Personen, die an der Organisation und Durchführung des Vertiefungsmoduls beteiligt waren.

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