Das Wort zum Ramadan

Imam_Empfang15 4Am 10. Juni 15 fand der traditionelle Imam-Empfang im Zürcher Stadthaus statt. Das Grusswort im Namen der Imame sprach Imam Bilal Yildiz von der Moschee an der Schwammendingenstrasse 102:

Das Fasten im Monat Ramad
Das Fasten im Monat Ramadan gehört zur Glaubenspraxis der Muslime, da es zu den „fünf Säulen“ zählt. Nach dem Glauben an die Einheit Gottes und das Ablegen des Bekenntnisses zu diesem Glauben, dem täglich fünfmaligen Gebet, Entrichtung der sozialen Pflichtabgabe, kommt das Fasten an vierter Stelle, wobei die Pilgerfahrt nach Mekka den letzten Punkt der Grundpfeiler gründet. Das islamische Jahr richtet sich nach dem Mondkalender, weshalb es um 10 bis 11 Tage kürzer als der Sonnenkalender ist. Folglich verschiebt sich der Monat Ramadan – neunte Monat im islamischen Kalender – um diese Tage nach vorne und durchschreitet somit alle Jahreszeiten. So kann ein Muslim in seinem Leben die Fastenzeit sowohl im Winter, als auch im Sommer erleben. Der Beginn und das Ende werden durch Sichtung der schmalen Mondsichel am Himmel bestimmt.

Das Fasten wird den Gläubigen in dem folgenden Koranvers vorgeschrieben:

O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr Allah fürchten. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten). Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet! Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Gott will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Gott rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. (2:183-185

Was ist das islamische Fasten?

Das Fasten im Islam bedeutet, dass dem Körper von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang keine Nahrung (weder essen noch trinken) zu gefügt wird. Der Fastende darf nicht rauchen und auch kein Geschlechtsverkehr haben.

Die Verpflichtung zum Fasten betrifft nur jene, die diese geistige und körperliche Enthaltsamkeit durchführen können. Jeder Gläubiger, der geistig zurechnungsfähig ist und die Pubertät erreicht hat muss fasten. Altersschwache, Kranke und Schwangere, stillende Mütter und ähnliche Personengruppen sind jedoch von dieser Pflicht ausgenommen. Personen, deren gesundheitlicher Zustand sich voraussichtlich nicht bessern wird, müssen für den versäumten Tag einen Bedürftigen speisen. Jene die nur vorübergehend körperlich nicht in der Lage waren, zu diesen Tagen zu fasten, müssten die versäumten Tage nachfasten

Der Monat Ramadan und der seelische Aspekt

Der Monat Ramadan ist die Zeit der seelischen und geistigen Reinigung, die Stärkung der Selbstdisziplin und die Weiterentwicklung der Gottesfürchtigkeit. Zum Fasten sagte der Prophet Muhammad

“Wer das falsche Wort sowie das unbeherrschte Benehmen in Worten und Taten nicht aufgibt, von dem beachtet es Gott nicht, wenn er auf Essen und Trinken verzichtet.”

Aus der Überlieferung können wir ableiten, dass jede unerlaubte Feststellung, wie Lügen, Verleumdung, Beschimpfung, jede falsche Tat, wie Aggression, Täuschung, Betrug und ähnliches das Fasten ungültig macht. Das Fasten fördert die Anerkennung und die Dankbarkeit gegenüber Gott, denn durch seine Gnade genießen sie die Gaben. Der Fastende lernt seine Ergebenheit zu steigern, lernt die Freude in diesem Leben und im Jenseits zu erreichen. Das Fasten lehrt intensiviert die Selbstbeherrschung in dem es die Fähigkeit aneignet, die Bedürfnisse und Begierden zu beherrschen, anstatt von diesen versklavt zu werden. Das Fasten reinigt die Seele, macht den Verstand klarer und lehrt einem Demut.


Der Monat Ramadan und der soziale Aspekt

Da die Fastenzeit auch als sozialer Akt der Solidarität mit den Bedürftigen verstanden wird, ist es nicht im Sinne des Islam, nach dem Sonnenuntergang übermäßige Mengen an Nahrung aufzunehmen, denn es gibt für Gott kein übleres Gefäß, als den vollen Magen. Der Fastende erfährt, was es bedeutet, Hunger und Durst zu haben, etwas wodurch Millionen von Menschen ihr Leben verlieren, z.B. wie unbeschreiblich besonders der Geschmack des Wassers sein kann, den man beim Sonnenuntergang trinkt.

Es ist auch ein Monat der Freigiebigkeit, wo nicht nur die soziale Pflichtabgabe (2,5% des stehenden Vermögens an Bedürftige gespendet wird), sondern auch freiwillige Spenden an Arme gegeben werden. Weiteres ist auch zur Vervollständigung des Monats Ramadan die Pro-Kopf Abgabe für eine Mahlzeit an Bedürftige zu zahlen, damit zumindest am Feiertag (nach der Fastenzeit) kein Bedürftiger hungern muss. Auch diese Verpflichtungen an Spenden, dienen dem Anspruch der sozialen Gerechtigkeit des Islam.

Eine weitere Bedeutung im sozialen Bereich des Monat Ramadan ist das Zusammenkommen der Familie zum Essen, denn keiner kann weder „keinen Hunger“ oder „bereits gegessen“ haben. Der alltägliche Stress und die Hektik sorgen meistens dafür, dass man keine Zeit für die Familie hat. Deshalb ist der Ramadan auch ein Anlass dafür, dass man einen Monat lang Freunde, Bekannte, Verwandte und Nachbarn zum Fastenbrechen einlädt, um das Gefühl der Geborgenheit zu stärken.

Kurz Gesagt, das Fasten ist keine „Hungerakrobatik“, sondern die Lehre der Selbstbeherrschung, der die körperlichen, geistigen und sozialen Aspekte vereint, unter anderem ist es auch ein Schutzmechanismus, zu dem der Prophet Muhammad folgendes sagte:

“Das Fasten ist ein Schutz. So soll der Fastende keine unzüchtigen Reden führen und sich nicht töricht verhalten; und wenn jemand ihn bekämpft oder ihn beschimpft, soll er zweimal sagen: ‘Ich faste!’„