Aktuell

Im Kanton ZĂŒrich bekennen sich fast 100’000 Menschen zum Islam (Quelle: VIOZ 2013), was einem Bevölkerungsanteil von knapp 10 Prozent entspricht.

Gesamtschweizerisch leben heute rund 435’000 Muslime in der Schweiz (Quelle: VIOZ 2013) und damit liegt ihr Anteil an der gesamten Bevölkerung bei ĂŒber 5 Prozent. Ein grosser Teil der Schweizer Muslime kam vor ĂŒber 20 Jahren aus Ex-Jugoslawien (ca. 60%) sowie der TĂŒrkei (ca. 20%). Heute ist ein Drittel der Muslime Schweizer (Quelle: Bundesamt fĂŒr Statistik).

Die Muslime in der Schweiz sind zu einem grossen Teil eine ethnisch und sprachlich heteroge Gemeinschaft. Ihr Anteil der zweiten und dritten Generationen nimmt kontinuierlich zu und Kinder der damals eingewanderten Menschen sind von klein auf mit der schweizerischen Kultur und Alltag vertraut und fĂŒhlen sich als Schweizer BĂŒrger. Sie sind nicht nur TrĂ€ger unserer Gesellschaft sondern können zudem als BrĂŒckenbauer einen wichtigen Beitrag zum besseren Miteinander in der Schweiz leisten und bilden die grösste religiöse Gemeinschaft nach den christlichen Landeskirchen.
Da der Islam keine einheitlichen, kirchlichen Strukturen kennt, fĂŒhrte dies zu einer disparaten Vielzahl unterschiedlicher Vereinigungen, Vereinen und Stiftungen. Heute gibt es in der Schweiz ĂŒber 300 islamische Organisationen. Die meisten sind nach ihrer ethnischen, sprachlichen oder nationalen Herkunft ausgerichtet. Um dieser organisatorischen Zersplitterung entgegenzuwirken, entstanden gemĂ€ss der föderalen Struktur unserer Landes kantonale DachverbĂ€nde in denen sich Moscheen und muslimische Organisationen zusammenschlossen, die multiethnisch organisiert sind und auch verschiedene Rechtsschulen vertreten.

Im Kanton ZĂŒrich bekennen sich fast 100’000 Menschen zum Islam (Quelle: VIOZ 2013), was einem Bevölkerungsanteil von knapp 10 Prozent entspricht.

Gesamtschweizerisch leben heute rund 430’000 Muslime in der Schweiz (Quelle: VIOZ 2013) und damit liegt ihr Anteil an der gesamten Bevölkerung beiÂ ĂŒber 5 Prozent.
Ein grosser Teil der Schweizer Muslime kam vor ĂŒber 20 Jahren aus Ex-Jugoslawien (ca. 60%) sowie der TĂŒrkei (ca. 20%). Heute ist ein Drittel der Muslime Schweizer (Quelle: Bundesamt fĂŒr Statistik).

Die Muslime in der Schweiz sind zu einem grossen Teil eine ethnisch und sprachlich heteroge Gemeinschaft. Ihr Anteil der zweiten und dritten Generationen nimmt kontinuierlich zu und Kinder der damals eingewanderten Menschen sind von klein auf mit der schweizerischen Kultur und Alltag vertraut und fĂŒhlen sich als Schweizer BĂŒrger. Sie sind nicht nur TrĂ€ger unserer Gesellschaft sondern können zudem als BrĂŒckenbauer einen wichtigen Beitrag zum besseren Miteinander in der Schweiz leisten und bilden die grösste religiöse Gemeinschaft nach den christlichen Landeskirchen.

Da der Islam keine einheitlichen, kirchlichen Strukturen kennt, fĂŒhrte dies zu einer disparaten Vielzahl unterschiedlicher Vereinigungen, Vereinen und Stiftungen. Heute gibt es in der Schweiz ĂŒber 300 islamische Organisationen. Die meisten sind nach ihrer ethnischen, sprachlichen oder nationalen Herkunft ausgerichtet. Um dieser organisatorischen Zersplitterung entgegenzuwirken, entstanden gemĂ€ss der föderalen Struktur unseres Landes kantonale DachverbĂ€nde in denen sich Moscheen und muslimische Organisationen zusammenschlossen, die multiethnisch organisiert sind und auch verschiedene Rechtsschulen vertreten.

Geschichte

Einleitung

Oft geht man davon aus, dass die Schweiz vor knapp eintausend Jahren bereits in ihrer heutigen Form von Menschen mit Àhnlichen Riten und Religionen besiedelt wurde. Tatsache ist jedoch, dass sich im ersten Jahrtausend des gregorianischen Kalenders unsere Bevölkerung aus verschiedenen Völkern zusammensetzte und vielerorts heute als fremd erscheinende Kulturen mit autochthonen Religionen den Schweizer Alltag darstellten.
Nach Römern, Alemannen und Kelten die selbst ursprĂŒnglich aus Vorderasien nach Europa kamen und die Schweiz in den ersten 4 Jahrhunderten besiedelten, wurden diese spĂ€ter durch das mittelasiatische Reitervolk der Hunnen ĂŒberrannt, dessen Spuren sich bis heute in der Schweiz ebenso finden lassen wie die, der beispielsweise in der Westschweiz einziehenden Burgunder. In diesem Zusammenhang lĂ€sst sich nachvollziehen, dass die heute oft anzutreffende keltische Bezeichnung ‚Helvetia‘ (z.B. confoederatio helvetica – CH) nicht verwendet wird, weil die keltischen Helvetier einen besonderen Beitrag zur heutigen  Schweiz oder in Bezug auf ihre heutige Bevölkerung gehabt hĂ€tten, sondern nur deswegen, da man viele Jahrhunderte ausschliesslich lateinisch schrieb und diese frĂŒhe römisch-lateinische Bezeichnung sich dadurch einfach in den Schriften erhielt.
SpĂ€ter, im 4. Jahrhundert der Hidschra (zu Beginn des 10. Jahrhunderts des gregorianischen Kalenders) durchwanderten u.a. die Magyaren die Schweiz, so dass beispielsweise Ortschaften wie Chur nach magyarischen ÜberfĂ€llen, wenige Jahre danach von den Sarazenen und anschliessend von den Truppen des Deutschen Kaisers abwechselnd eingenommen wurden.
Zahlreiche hiesige PrimĂ€rquellen wie handschriftliche Chroniken, Funde und Bauten, die in den folgenden Abschnitten aufgezeigt werden, weisen auf dieses muslimische Erbe der Besiedlung der Schweizer Alpen durch die Muslime und die durch VertrĂ€ge entstandene Besitznahme von Teilen der Schweizer Alpen durch sie vor ĂŒber eintausend Jahren hin. Die historischen Quellen erlauben einen geschichtlichen Ein und- Überblick und belegen, dass die muslimischen Sarazenen einen Teil der Alpen urbar machten und erstmalig besiedelten [vgl. z.B. die ‚Chronik von Staldenried‘ Wallis] sowie technische Neuerungen, wie beispielsweise WasserfĂŒhrungen in den Alpen (Suonen) brachten, die bis heute zu finden sind.  Man darf zudem aufgrund der damaligen Eheschliessungen, die u.a. in den rund tausendjĂ€hrigen Chroniken des Klosters St. Gallen beschrieben sind davon ausgehen, dass die Sarazenen insbesondere im Wallis (aber auch in anderen Alpenkantonen sowie der französischsprachigen Westschweiz) Bestandteil Schweizer FamilienstammbĂ€ume sind.
Wie im Weiteren aufgezeigt wird, bildete die Schweizer Alpenregion zudem eine von den Herrschern der damaligen Zeit anerkannte Enklave des andalusischen Kalifats der Umayyaden. Daher ist davon auszugehen, dass insbesondere arabische Quellen aus der iberischen BlĂŒtezeit des Umayyaden-Kalifats zukĂŒnftig weitere Belege liefern werden [vgl. z.B.  H.-R. Singer, Lex. MA III, Sp. 882].
Um einer in der Vergangenheit oft oberflĂ€chlich, ja teilweise emotional gefĂŒhrten Diskussion ĂŒber Vermutungen, insbesondere ĂŒber Namensgebungen, zu entgehen, sollen zu diesem Thema ausschliesslich zeitgenössisch-authentische Quellen sowie einzelne, leider sehr selten zu findenden Kommentare von Historikern die Grundlage des Inhalts bilden. Erst zuletzt sollen der VollstĂ€ndigkeit halber einige Namensgebungen, die zu Diskussionen Anlass gaben, aufgefĂŒhrt werden.
Neben den hier aufgrund der Beitragsgrösse nur begrenzt aufgenommen Quellenangaben, sei auf die 12-bĂ€ndige Islamologische EnzyklopĂ€die (Hrsg. Mag. A. Zaidan, Islamologisches Institut, Wien) verwiesen, die mir eine umfassendere Quellenbenennung zu diesem Thema im 10ten Band erlaubte. Die Islamologische EnzyklopĂ€die kann ĂŒber den Herausgeber bezogen werden, ist aber auch in den RĂ€umlichkeiten der Bosnischen Gemeinde Schlieren als Waqf-Exemplar in der Moscheebibliothek vorhanden und einsehbar.

Geschichtliche Einordnung der Sarazenischen PrÀsenz in der Schweiz

Wenn die Sarazenen in unseren Lehrmitteln ĂŒberhaupt erwĂ€hnt werden, dann wird oft nur unsachlich ĂŒber deren Einfall in die Schweiz wage kommentiert. Faktisch gab es hingegen zwei sich grundsĂ€tzlich unterscheidende Sarazenische Perioden in der Schweiz, wobei die Zweite i.d.R. gĂ€nzlich ausgeblendet wird und weitestgehend unbekannt zu sein scheint.
Die erste ĂŒber 40 Jahre dauernde Periode gegen Ende des 3 Jahrhunderts der Hidschra (zu Beginn des 10. Jahrhunderts des gregorianischen Kalenders) entspricht dem Bild einer Besetzung von Alpentransversalen sowie unbesiedelten Gebieten vorwiegend im Oberwallis.
WĂ€hrend dieser ersten Periode fanden Streif- und FeldzĂŒgen durch das gesamte nördliche und sĂŒdliche Alpenvorland statt und sie endete mit der Vertreibung durch die Truppen des lombardischen Königs Hugo (330/942).
Die zweite unmittelbar darauf folgende und ĂŒber 30 Jahre andauernde Periode war eine durch den siegreichen König Hugo legitimierte BesitzĂŒbertragung eines grossen Teils des Schweizerischen Alpenraums an die Sarazenen.
Diese zweite Periode als umayyadische Enklave beinhaltete u.a. auch das legitimierte Zoll- und Wegerecht fĂŒr den Alptransit, wie dies etwa den Annalen Flodoard‘s (281-355/894-966) zu entnehmen ist,  sowie weitreichenden Handel im Alpenvorland, der bis nach Basel und zum Bodensee reichte. Ihr Ende fand diese zweite Periode mit der blutigen Verfolgung und Vertreibung ab 361/972.
Nach 362/973 werden die Sarazenen kaum mehr erwĂ€hnt, jedoch haben sich gemĂ€ss Bernhard von Menthon, der 441/1050 das Hospiz bzw. die Kongregation des Grossen Sankt Bernhard grĂŒndete, weiterhin einige Sarazenen bis in die erste HĂ€lfte des 5./11. Jahrhunderts in den Alpen aufgehalten.

Die erste Periode (ca. 287-330/900-942)

Die Sarazenen kamen, wie zahlreiche Quellen berichten, ca. 276/890 von der damals muslimischen iberischen Halbinsel (heutiges Spanien) wĂ€hrend der Umayyaden Herrschaft des 6. Umayyaden Emirs von Cordoba al-Mundir (272-274/886-888) sowie dem 7. Emir Abdallah ibn Muhammad (274-299/888-912) mit Schiffen in die Gegend um St. Tropez (lat. Fraxinetum, arab. ‚FarakhshinĂźt) in SĂŒdfrankreich.
Von dort aus zogen sie nordöstlich durch die französische Provence sowie durch das italienische Piemont und die ligurischen Berge, wo sie gegen Ende des 3 Jahrhunderts der Hidschra (anfangs des 10. gregorianischen Jahrhunderts) erstmals die Alpen ĂŒberschritten.
Wie u.a. das ‚Historische Lexikon der Schweiz‘ (HLS) festhĂ€lt, waren die Sarazenen ab 307/920 im Wallis und ein Jahr spĂ€ter bereits in ChurrĂ€tien. Sie besetzten die Schweizer AlpendurchgĂ€nge, so z.B. den Simplon, die Tessiner PĂ€sse und den St. Bernhard. Sie grĂŒndeten verschiedene Siedlungen von wo aus sie Handel trieben aber auch Pilger und Kaufleute um ihren Besitz erleichterten und in die Voralpen (sĂŒdlich und nördlich) ausgiebige Beuteunternehmen tĂ€tigten. Sie drangen ins Jura vor und erreichten NeuchĂątel, Appenzell, Sargans und durch das Rheintal den Bodensee sowie im SĂŒden das Tessin, was in den geschichtlichen Beschreibungen des Castelo Grande in Bellinzona erwĂ€hnt ist [vgl, z.B. D. GrĂŒter, 2006].
Hierzu seien insbesondere die folgenden konkreten Ereignisse erwÀhnt, die im Ost- und Westschweizer Voralpenraum nachweislich stattfanden.
Nachdem sie bereits in den 310’er/920’er Jahren im Wallis sind [HLS], ĂŒberfallen sie in der Ostschweiz 323/935 die Abtei von St. Gallen [Vgl. ASS St. Gallen] und besetzen 324/936 das Bistum Chur, wobei sie gemĂ€ss der geschichtlichen Beschreibung des Bistums Chur innerhalb eines Jahres auch den Bischofssitz in Chur ausraubten [vgl. Dr. A Fischer, 2008]. 325/937 besetzen sie das westliche Mittelland und nehmen Payern ein [vgl. Stadtwanderer, 2006], wo gewisse HĂ€ndler bis heute ‚Mauri‘ heissen und sichern sich gemĂ€ss einer handschriftlichen NeuchĂąteler Chronik die Festung von Avenches 326/938 [vgl. MB 154, 1830].
Um 328/940 fliehen die Mönche des Pacidus Sigisbert Klosters von Disentis nach ZĂŒrich um wertvolle Reliquien in Schutz zu bringen, da Teile ihres Klosters von den Sarazenen zerstört wurden. [HLS sowie BM, 2009 u.a.]
Ebenfalls um 328/940 findet die Zerstörung der Kirche des Hospizes in Bourg-Saint-Pierre am Gr. St. Bernhard statt [HLS] und, wie dem historischen Archiv des Abbaye de Saint-Maurice zu entnehmen ist, nehmen sie zudem 328/940 das StÀdtchen Saint-Maurice ein.

Zu den Funden, die diese erste Periode widerspiegeln zĂ€hlt beispielsweise die Inschrift der steinernen TĂŒrschwelle zur Kirche Saint-Pierre-Montjoux, die im Jahre 1152/1739 erstmals von Sebastian Briguet entziffert wurde. Der in ottonischem Stil gehaltene lateinische Text beschreibt den Einfall der Sarazenen (Ismaelita Cohors) in das Rhone (Rhodani) Gebiet und dessen Auswirkungen, wie Hungersnöte, BrĂ€nde und KĂ€mpfe im Wallis (Poeninam).  Der im selben Text genannte Kirchenerbauer Bischof Hugo von Genf lebte bis 409/1019 und archĂ€ologische Untersuchungen ergaben eine Bauzeit der Kirche um das Jahr 390/1000.

Daneben weisen GebÀude auf die erste Periode der sarazenischen PrÀsenz hin. Beispielsweise, wenn sie erbaut wurden um sich ihrer zu erwehren, wie die bereits erwÀhnten AusbautÀtigkeiten des Castelo Grande in Bellinzona oder GebÀude, die im Gedenken an eine sarazenische Invasion errichtet wurden. Hierzu zÀhlt etwa die Kirche Sontga Gada (in Acla da Fontauna bei Disentis), die gemÀss öffentlichen Angaben der Gemeinde Disentis zur Erinnerung an die Invasion der Sarazenen von 328/940, die zu deren Gedenken um ca. 493/1100 erbaut wurde.
Das Ende der ersten Periode wurde durch die Vertreibung der Sarazenen durch König Hugo herbeigefĂŒhrt.
König Hugo herrschte ĂŒber die Lombardei, die Provence und grosser Teile des Burgunds. Er hatte seine Krone vom ermordeten Kaiser Berengar geerbt und befand sich im Krieg mit dem Markgrafen Ivrea Berengar, der als Enkel des ermordeten Monarchen Berengar die Krone Hugo’s beanspruchte.
Markgraf Berengar zĂ€hlte die Sarazenen zu seinen VerbĂŒndeten und unterstĂŒtze sie, da sie in den Alpen Hugo’s zur Destabilisierung beitrugen. Als er sich zudem mit Herzog Hermann von Schwaben verbĂŒndete um den deutschen Kaiser Otto den Grossen (Otto I.) zu umwerben erachtete König Hugo die Sarazenen in den Alpen als zu grosse Gefahr und bekĂ€mpfte und verfolgte sie bis nach St. Tropez, wo er sie zusammen mit der zu Hilfe gerufenen damaligen Seemacht der byzantinischen Flotte mit deren griechischem Feuer nahezu vernichtete, bevor er mit ihnen um 330/942 einen Vertrag schloss, der die Situation massgeblich verĂ€nderte und die zweite Periode einlĂ€utete.

Die zweite Periode (ca. 330-362/942-973)

In dem zuvor genannten Vertrag von 330/942 ĂŒbergab König Hugo die Schweizer AlpenrĂ€ume den Sarazenen, worĂŒber sich beispielsweise der Chronist Luitprand von Cremona (307-361/920-972) derart erboste, dass er eine anklagende Ode darĂŒber verfasste.
König Hugo schloss diesen Vertrag mit der Absicht, dass die Sarazenen in den Alpen das verfeindete Schwaben und das Gebiet des Markgrafen Berengars von seinem Reichsgebiet sĂŒdlich der Alpen rĂ€umlich trennen und vor einem Angriff schĂŒtzten sollten. [vgl. ‚Regesta Imperii‘, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz]
Damit waren die Sarazenen nun legitimiert Zölle zu erheben, wie es beispielsweise der Chronist Flodoard (281-355/894-966) berichtet und sich in ihrem eigenen Gebiet niederzulassen, was auch durch belegte Eheschliessungen mit den vorwiegend autochthonen Landestöchtern stattfand [Vgl. Ekkehard (ca. 369-427/980-1036)]. Das BĂŒndnis mit König Hugo wurde durch seinen Tod 334/946 geschwĂ€cht, blieb aber weiter bestehen.
Kaum Beachtung findet in diesem Zusammenhang, dass es beim ehrenvollen Empfang von Gesandten, bei dem teure Geschenke ausgetauscht wurden, in den Jahren 338-344 /950-956 zwischen Kaiser Otto I. und dem 1. Umayyaden Kalifen Abdurrahman III. (299-350/912-961) u.a. darum ging, das Otto I. den Kalifen ersuchte PlĂŒnderungen im Alpenraum durch die aus Garde-FraĂźnet stammenden Sarazenen zu beenden. [vgl. Widukind III ca. 312-362/925-973 sowie Luitprand (307-361/920-972) in der Antap. I, 1; III, 1 und ‚Regesta Imperii‘ Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz]
Damit lĂ€sst sich festhalten, dass auch der Deutsche Kaiser die Schweizer AlpenrĂ€ume als Teil des herrschaftlichen Einflussgebiets der spanischen Umayyaden erachtete, was den Alpenraum in dieser zweiten Periode (330-362/942-973) formell zur eigentlichen umayyadischen Enklave unter dem Kalifen Abdurrahman III. sowie seinem Nachfolger, dem 2. Kalifen al-Hakam II. (350-365/961-976) machte. Zudem kann man feststellen, dass keine FeldzĂŒge seitens Otto I. gegen die Sarazenen der Schweizer Alpen bekannt sind; dies im Unterschied zu den zahlreichen Kriegshandlungen gegen die fatimidischen Heere in Italien.
Die Sarazenen betrieben wÀhrend der gesamten zweiten Periode Handel aus ihrem Alpenrefugium heraus. So waren 338/950 sarazenische HÀndler vor dem Kloster St. Gallen und im Rheintal anzutreffen [vgl. Stadtwanderer, 2006] sowie 343/955 im westlichen Mittelland (eventuell bis ins Elsass).
Um das Jahr 361/972 erweckten die Alpensarazenen weitbeachtetes Aufsehen aufgrund ihrer Geiselnahme des Abts von Cluny (dem spĂ€teren heiligen Majolus) durch ihr grosses Heer, dass von Domherr Prof. Eggs mit 1000 Mann angegeben wurde. Zu erwĂ€hnen ist hierzu, dass die vom Chronisten Radolfus Glaber (380-452/990-1060) ĂŒberlieferte Darstellung dieses Übergriffs auf den Abt den Respekt der Sarazenen vor dem entfĂŒhrten WĂŒrdentrĂ€ger und dessen Reisebibel erwĂ€hnt. Dieser Bericht Glaber’s gilt als die frĂŒheste nicht polemisch verzerrte Schilderung von Muslimen in der abendlĂ€ndischen Literatur.

Aufgrund der EntfĂŒhrung des Abts bzw. wegen des sehr hohen Lösegelds bildete sich unter dem Edelmann Bobo bzw. Beuvo eine Streitmacht, die die meisten Sarazenenfamilien aus den Alpen von Sisteron her vertrieb. Weitere Grafen und Adlige bildeten anschliessend ebenfalls entsprechende Heere gegen die Sarazenen und schlugen diese bis nach St.Tropez zurĂŒck, wo die dortige Festung ca. 362/973 fiel. Sarazenen die sich nicht bekehren liessen wurden ermordet. Nachkommen der Überlebenden besiedeln bis heute die KĂŒstengebiete SĂŒdfrankreichs und, wie anfangs erwĂ€hnt, lebten auch weiterhin bis in die erste HĂ€lfte des 5./11. Jahrhunderts einzelne sarazenische Gruppen versteckt in den Alpen, wie Bernhard von Menthon (372-473/983-1081) berichtete.
Weitere Sarazenische Funde aus dem 4./10. Jahrhundert

Neben den bereits erwĂ€hnten Überlieferungen aus der Zeit der Sarazenen durch verschiedene zeitgenössische Chronisten und neben den bereits genannten Bauten oder Funde wie die steinerne Inschrift der Kirche Saint-Pierre-Montjoux finden sich weitere FundstĂŒcke in verschiedenster Form in den Schweizer Alpen sowie im Alpenvorraum.
An dieser Stelle sollen nur einige Beispiele ErwÀhnung finden, die die VielfÀltigkeit der Funde aufzeigen soll.
Ein erster Fund konnte in der Domkirche Chur gemacht werden. Ab dem 5./11. Jahrhundert wurden Geschenke und Stiftungen an die Domkirche in deren Anniversarien-BĂŒchern festgehalten. GemĂ€ss Dr. F. Keller fehlt jedoch der Ă€ltesten DomschĂ€tze in diesen BĂŒchern und auch die alten Mobiliarverzeichnisse erwĂ€hnen diesen Schatz nicht.
Gemeint ist eines der Ă€ltesten MessgewĂ€nder, dessen Ă€usserer Teil wiederholt einen Vers in kufischen SchriftzĂŒgen zeigt. Dr. F. Keller erwĂ€hnte 1273/1856 zudem Aussagen und Sagen um dieses Gewand, die es der Zeit des Aufenthalts der Sarazenen in der Gegend von Chur zuschreiben und auch die Art der SchriftzĂŒge, das Muster und die zugehörigen Abbildungen weisen auf diese Epoche hin. Zur Fertigung der tier- und pflanzenĂ€hnlichen Bilder und der kaligrafischen Schrift wurden u.a. feinste gehĂ€mmerte SilberfĂ€den um Seide gewickelt und Ă€usserlich vergoldet. Das Messgewand wurde im Laufe der Zeit mit spĂ€teren StĂŒcken und Stickereien aus ChurrĂ€tien ĂŒberarbeitet so, dass heute nur der Ă€ussere Teil, bestehend aus ornamentierten und kufischen Seidenbahnen erhalten ist. Einige StĂŒcke wurden verkehrt herum angenĂ€ht, wohl aus Unwissen ĂŒber die kufische Schrift.

Ein zweiter Fund betrifft MĂŒnzfunde aus der Zeit der Schweizer Sarazenen in Landesregionen, die nachweislich von ihnen bewohnt wurden. Zu bemerken ist, dass es in der Schweiz mehrere Funde von arabischen MĂŒnzen vor dem 5./11. Jahrhundert gibt, wie historische MĂŒnzblĂ€tter und archĂ€ologische Gesellschaften berichten. So gibt es Funde am Bodensee bei Steckborn, Funde von sassanidischen SilbermĂŒnzen bei Ilanz in GraubĂŒnden aber auch an verschiedenen Orten der Westschweiz, beispielsweise eine silberne Medaille mit arabischer Inschrift aus dieser Zeit oberhalb von Ryon (VD).
Im Speziellen zĂ€hlt hierzu auch der MĂŒnzfund von Moudon im Kanton Waadt, das 20 km von Payerne (325/937 von den Sarazenen besetzt) und 30 km Avenches, (326/938 von den Sarazenen eingenommen) entfernt ist und inmitten des westschweizer Mittellandes liegt, in welchem sich die Sarazenen im 4./10. Jahrhundert aufhielten. Unter den gefundenen MĂŒnzen befinden sich beispielsweise ein ‚ash-Shash‘ Dirham des Ismail b. Ahmad (278-294/892-907) datiert 286/899, ein abbasidischer AR Dirham von 170/786 sowie ein buyidischer AR Dirham von 361/972.
Zuletzt soll auf weitere sarazenische VermĂ€chtnisse hingewiesen werden, deren Ursprung im 4./10. Jahrhundert liegen und die bis dato ihren Dienst erfĂŒllen. Hierzu zĂ€hlen bauwerkliche WasserfĂŒhrungen wie beispielsweise die ‚Sarrasin-Suone‘ bei Chandolin  oder die ‚bisse de Sarazins‘ bei Vercorins, die in Ă€hnlicher Form auch im marokkanischen Atlas Gebirge anzutreffen sind.
Ebenfalls zu diesen technischen Werken können Brunnen gezÀhlt werden, wie etwa der Brunnen bei Lutry, der urkundlich als Mauro-Fonté bezeichnet wird.

AuffÀllige Geografische Orts- und Familiennamen

Nebst den Nennungen von sarazenischen Festungsanlagen durch Historiker tragen bis heute GebĂ€ude und Flure in der Schweiz sarazenische Namen. Hierzu zĂ€hlen u.a. ‚la tour aux Sarrasins‘ bei Vevey, ‚la voute et le creux Sarrasins‘ bei Lucens, die ,mur des Sarrasins‘ bei Avenches oder der ‚Maurmont’ (mauri mons) HĂŒgel bei ‘La Sarraz’.
Wie bereits hingewiesen, war die ErklĂ€rung von Schweizerischen Ortsnamen durch die sarazenische PrĂ€senz in den letzten 150 Jahren oft Grund einer oberflĂ€chlichen und teilweise emotional gefĂŒhrten Diskussion. Erstaunlicherweise sind es seit sehr kurzer Zeit nun die Gemeinden selbst, die Aufschluss geben. [vgl. z.B. die Webseiten von Disentis und Saas-Almagell].  Als Beispiel sollen hier nur einige wenige Ortbezeichnungen aufgefĂŒhrt werden, die alle im Abstand von nur 10 km in einem nachweislich von Sarazenen besiedelten Gebiet im Wallis liegen. Hierzu zĂ€hlen ‚Almagell‘ (arab ‚Station, Hauptlager‘), der Allalin Gletscher (arab ‚an der Quelle‘) und die Eienalp (arab ‚Quelle‘). Die Gemeinde Saas-Almagell schreibt hierzu: ‚Die Sarazenen 
 besetzten (327/939) auch das Saastal. Ihr Hauptlager war in Almagell. Zu dieser Zeit machten sich auch inlĂ€ndische Hirten und Bauern im Saastal ansĂ€ssig. Gemeinsam mit den Sarazenen bewirtschafteten sie Land und WĂ€lder und wurden zu einem Volk‘ [Webseite der Gemeinde Saas-Almagell, 2008]
Ein weiterer  Name, der oft in diesem Zusammenhang auftauchen und tatsĂ€chlich noch historisch aufgearbeitet werden muss, ist beispielsweise Pontresina in GraubĂŒnden, welches belegbar bis in die erste HĂ€lfte des 6./12. Jahrhunderts ‚pons sarasina‘ (SarazenenbrĂŒcke) hiess. Auch der alternative Versuch den Ortsname zu erklĂ€ren fĂŒhrt in dieselbe Richtung, da man dort die BrĂŒcke einem Erbauer zuweist, der ‚Saraschin‘ geheissen haben soll.
In Bezug auf Schweizer Familiennamen sei auf die Genealogie (Familienforschung) verwiesen, die die folgenden Schweizer Namen auf einen sarazenischen Ursprung zurĂŒckfĂŒhrt: Sarazin, Saladin, Salade, Salathe, Salomon, Sala, Salla, Sallin, Salin und Salahuddin.
Zudem ist den hierin aufgezeigten geografischen Fakten folgend auffallend, dass der Familienname ‚Sarrasin‘ heute in der Schweiz ca. 200 mal fast ausschliesslich in der Westschweiz von Genf bis Sion im Wallis, also entlang der RĂŽhne vorkommt, was beispielsweise in Online-TelefonbĂŒchern, die die Suchnamen auf Karten zeigen, leicht ĂŒberprĂŒfbar ist. [siehe bspw. search.ch]
Weitere interessante AuffĂ€lligkeiten in Zusammenhang mit dem Gesagten sind entsprechende Familien- oder Stadtwappen. So zeigt beispielsweise das Wappen von Avenches, wo die Sarazenen wie bereits erwĂ€hnt 326/938 die Festung inne hatten und bis heute die ‚mur des Sarrasins‘ steht, einen Sarazenen in Ă€hnlicher Darstellung wie man es vom Wappen Korsikas her kennt.

Die in diesem letzten Abschnitt beschriebenen AuffĂ€lligkeiten können und mĂŒssen aufgrund der vielen anderen Fakten nicht als geschichtliche Belege herhalten. Sie können nur als Indiz dafĂŒr dienen, dass es Weiteres zu entdecken und historisch aufzuarbeiten gibt, wozu an dieser Stelle alle Interessierten aufgefordert werden.
Wer also in unserem schönen Land umherreist, sollte dies mit offenen Augen und wachem Verstand tun und wer das GlĂŒck hat die iberische Halbinsel zu besuchen, der soll das hierin Beschriebene vor Augen haltend sich nach Quellen und Archiven erkundigen, die weiteren Aufschluss ĂŒber unsere Geschichte geben könnten.
Insha’Allah werden sich zukĂŒnftig auch Historiker vermehrt um dieses Schweizer Erbe bemĂŒhen. Denn, die Erkenntnis muslimischer Wurzeln fĂŒhrt zu einem besseren VerstĂ€ndnis der eigenen Kulturgeschichte und könnte zu einem respektvolleren Umgang miteinander beitragen. Dies gilt im kleinen Masse fĂŒr unsere Schweizer Heimat aber auch in Grösserem fĂŒr unsere (mittel-) europĂ€ische, oft als westlich titulierte Kulturgeschichte, in der fast 800 Jahre massgebliche islamische PrĂ€gung teilweise aus historischen GrĂŒnden und zu weilen aus Unkenntnis um die originĂ€ren Quellen ausgeblendet ist.