Tages Anzeiger vom 24. Oktober 2016: «Gezielte Lügen oder ein Teil der Wahrheit?»

«Unlauterer Journalismus»

Des Forums des Orients [Forient] versteht sich als offenen Verein, der jedem offen steht, unabhängig von Ethnie oder Religion.
Der Verein bietet jeden Mittwoch einen Sprachunterricht an, beteiligt sich an interreligiösen Anlässen des Zürcher Forum der Religionen, arbeitet mit der offenen Jugendarbeit Zürich (OJA) zusammen und öffnet seine Türen den Gästen am ‘Tag der offenen Moscheen’. Diesen Sommer war der Imam der Moschee sogar in den Medien, da er in der Roten Fabrik vermittelte, als diese durch Flüchtlinge und Aktivisten besetzt gehalten wurde. “Auch dank der Hilfe des Imams kam es nach einer Woche zur friedlichen Auflösung des Protests.”

” […] Der deutsche Journalist Shams Ul-Haq mit pakistanischen Wurzeln verkehrte im letzten Sommer verdeckt in Schweizer Moscheen: «Ich habe während vier Monaten recherchiert, Kontakte geknüpft und den Moscheen Geld gespendet, um ihr Vertrauen zu gewinnen», sagt Ul-Haq. Im Fokus stand die An’Nur-Moschee in Winterthur. Doch auch in der Forient-Moschee, im Bericht nach dem früheren Namen Al-Hidaya benannt, würden teils gefährliche Botschaften verbreitet, wie der freischaffende Journalist in der «SonntagsZeitung» vor einer Woche schrieb. Radikale Prediger, untergetauchte Flüchtlinge, die im Vereinslokal übernachten, mangelhafte Integrationsförderung oder Hehlerei – die Vorwürfe wiegen schwer.

Der TA konfrontierte Hakimi nach dem Freitagsgebet: «In der Reportage werden gezielt Lügen verbreitet», sagt der Imam. So habe der Verein beispielsweise nie Gast-Imame aus Somalia verpflichtet, wie dies in der Reportage dargestellt wurde. «Schon gar keine Prediger, die radikale Botschaften verbreiten.» Gast-Imame kämen nur zum Einsatz, wenn Hakimi krank oder in den Ferien sei. Die Inhalte ihrer Reden würden zuvor von den Vereinsverantwortlichen auf heikle Stellen überprüft. «Wir sind eine Moschee der Mitte und predigen einen gemässigten Islam», sagt Hakimi. […]

Vehement bestreitet Hakimi den Vorwurf der mangelnden Integrationsförderung. So steht im Handelsregister, dass sich der Verein bei der Bildung sowie «der Prägung der kulturellen und sozialen Identität der Mitglieder» beteilige und gleichzeitig ihre Integration der schweizerischen Gesellschaft vorantreibe. «In den Monaten meiner Recherche habe ich nicht eine einzige Veranstaltung erlebt», schreibt Ul-Haq. Der Imam verweist hingegen auf Projekte und Anlässe, an denen sich der Verein beteiligte. Beispielsweise den Sprachunterricht, der jeden Mittwoch stattfinde, die Beteiligung am Forum für Religionen oder die Zusammenarbeit mit der offenen Jugendarbeit Zürich (OJA). Im Sommer vermittelte Hakimi zudem in der Roten Fabrik. Das Kulturzentrum wurde durch Flüchtlinge und Aktivisten besetzt gehalten. Auch dank der Hilfe des Imams kam es nach einer Woche zur friedlichen Auflösung des Protests. […]

Das Forient prüft nun das weitere Vorgehen. In der Regel nehme der Verein Kritik von aussen ernst. «Auf uns wirkt dies allerdings mehr wie unlauterer Journalismus», sagt Hakimi. Kein einziges Mal habe ihn der Journalist mit den Vorwürfen konfrontiert. Rechtliche Schritte seien für ihn nicht ausgeschlossen.
Die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ), der auch das Forient angehört, betont, dass bei rechtlichen Verstössen eine Mitgliedschaft sistiert werden könne. Dafür müssten Anschuldigungen aber belegt und zur Anzeige gebracht werden.”

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Quelle: tagesanzeiger.ch, 24.10.2016
Bildquelle: Screenshot tagesanzeiger.ch vom 24.10.2016