Imam-Empfang der Stadt Zürich 2022

Die VIOZ konnte heute, nach zwei Jahren Einschränkungen durch die Covid-Pandemie, am traditionellen Imam-Empfang der Stadt Zürich im Stadhaus Zürich teilnehmen.
 
Eingeleitet wurde der Anlass durch ein Grusswort der Stadtpräsidentin Corine Mauch. Stadtpräsidentin Mauch gratulierte dabei allen Musliminnen und Muslimen in der Stadt Zürich und darüber hinaus zum Ende des Fastenmonats Ramadan und betonte die stets gute Zusammenarbeit der Stadt Zürich mit muslimischen Organisationen.
 
Seitens VIOZ wandten sich der Präsident, Abduselam Halilovic und im Namen der Imame, Imam Nebi Rexhepi von der Albanisch-Islamischen Gemeinschaft, an die Anwesenden, ebenso wie Christof Meier, Leiter der städtischen Integrationsförderung.
 
Zu den Anwesenden zählten Stadträtin Karin Rykart, Vertreterinnen und Vertreter muslimischer Organisationen und Institutionen der Zivilgesellschaft, ebenso wie Mitarbeitende diverser Bereiche der städtischen Verwaltung.
 
Teil des Imam-Empfangs war auch eine offene und interaktive Austauschrunde, in welcher den Anwesenden die Möglichkeit geboten wurde, sich mit ihren Fragen und Anliegen an die Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Zürich zu wenden.
 
Umrahmt wurde der Anlass durch eine musikalische Begleitung auf dem Kanun und einen vegetarischen Stehlunch.
 
Ein herzlicher Dank an die Stadt Zürich für diese Form der gesellschaftlichen Anerkennung wie auch an Organisatorinnen und Organisatoren des Anlasses!
 
 
Grusswort des VIOZ-Präsidenten Abduselam Halilovic

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin,

Sehr geehrte Frau Stadträtin,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Anwesende

Als Muslim der zweiten Migrationsgeneration und lebenslangem Stadtzürcher ist es mir eine besondere Ehre, beim heutigen Anlass zu Ihnen sprechen zu können. Der Imam-Empfang der Stadt Zürich hat eine langjährige Tradition. Die integrative Zusammenarbeit der Stadt Zürich mit muslimischen Organisationen ist von noch längerer Dauer.

Die Zeit würde nicht ausreichen, um auf all die gemeinsamen Erfolge zurückzublicken. An dieser Stelle möchte ich mich in diesem Sinne, im Namen der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich und ihren Vertreterinnen und Vertretern, bei Ihnen, Frau Stadtpräsidentin, herzlich für die Einladung und das Vertrauen bedanken. Nach zwei Jahren der Einschränkungen durch die Covid-Pandemie, durch welche auch die muslimischen Gemeinschaften in der Stadt und im Kanton Zürich stark betroffen waren, ist es besonders erfreulich, dass der traditionelle Imam-Empfang wieder in Präsenz hier im Musiksaal des Stadthauses stattfinden kann.

Das letzte Jahr und eigentlich auch die letzten Jahre waren geprägt von dynamischen Entwicklungen für die muslimischen Gemeinschaften, manche davon negativ, manche positiv. Beim heutigen Anlass möchte ich den Fokus auf das Positive legen. Sei es im Bereich der muslimischen Seelsorge in öffentlichen Institutionen, bei Zürich-Kompetenz, der erstmaligen und bisher einzigartigen Weiterbildung für Imame im Kanton Zürich, im Bestattungswesen für Musliminnen und Muslime, bei Fragen der Sicherheit, im interreligiösen Dialog usw. Einige dieser wichtigen und grossen Projekte, wie die Seelsorge oder die Imam-Weiterbildung wurden in Kooperation mit dem Kanton Zürich lanciert, mit dem sich die Zusammenarbeit in den letzten Jahren intensiviert hat. Jedoch stimmt es uns sehr positiv, dass wir bei all unseren Anliegen, auf städtischer Ebene und darüber hinaus, auf ein offenes Ohr und die Unterstützung der Stadtzürcher Behörden zählen können, so zum Beispiel bei der Integrationsförderung oder dem Bestattungs- und Friedhofsamt, deren beiden Leitenden, Christof Meier und Rolf Steinmann, sowie ihren Mitarbeitenden ein herzlicher Dank gebührt. Diese Kultur der, wenn nicht rechtlichen, so doch gesellschaftlichen Anerkennung muslimischer Gemeinschaften durch die Stadt Zürich hat einen Vorbildcharakter. Gerade aktuell wird der Imam und VIOZ-Geschäftsführer Muris Begovic zum Armeeseelsorger mit muslimischem Hintergrund ausgebildet, der auf Augenhöhe mit Seelsorgenden anderer Religionsgemeinschaften für alle Rekruten da sein wird, unabhängig von ihrem Hintergrund. Ich denke man kann somit getrost sagen, dass das Zürcher Modell des gesellschaftlichen Miteinanders und der Teilhabe auch auf Bundesebene Schule macht.

Vielfältig, multikulturell, interreligiös und plural in vielerlei Hinsicht. Das ist die Lebensrealität unserer Gesellschaft und all jener, die an ihr teilhaben – so auch der Musliminnen und Muslime. Auf lokaler Ebene, in den Quartieren der Stadt Zürich und den anderen Gemeinden des Kantons, ist es, wo die muslimischen Gemeinschaften eine Knochenarbeit für das zwischenmenschliche Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Diese, grösstenteils ehrenamtliche Arbeit, gilt es gebührend anzuerkennen. Den anwesenden Imamen sowie Vertreterinnen und Vertretern der muslimischen Gemeinschaften gebührt dafür ebenfalls ein grosses Dankeschön.

In diesen Tagen erreichen uns grauenhafte Bilder des Krieges in der Ukraine, aber auch der immer wieder aufflammenden Gewalt in Palästina und Israel sowie Syrien, Afghanistan, Jemen und so weiter. Diese Liste des unermesslichen Leidens ist viel zu lang. Die Mehrzahl der Musliminnen und Muslime in der Schweiz hat einen Migrationshintergrund. Dieser war und ist oftmals geprägt durch Erfahrungen von Krieg, Gewalt, Vertreibung und Flucht. In diesem Sinne besteht innerhalb der muslimischen Gemeinschaft eine grosse Solidarität mit allen Menschen, die unfreiwillig ihre Heimat verlassen mussten, aus welchem Grund auch immer. Jede und jeder auf dieser Welt muss das Recht auf ein Leben in Frieden und Würde haben.

Gerade letzte Woche haben muslimische Seelsorgende in Bundesasylzentren, in der Stadt Zürich und in anderen Orten, auch mit der Unterstützung lokaler muslimischer Gemeinschaften Festlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan organisiert. Selbstverständlich waren alle Bewohnerinnen und Bewohner der Asylzentren, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit oder Herkunft, herzlich dazu eingeladen. Dies mag zwar nur ein kleiner Lichtblick im schwer traumatisierten Lebensalltag der Asylsuchenden sein. Die vielen, sehr positiven Reaktionen zu den Festlichkeiten, von denen die Seelsorgenden berichteten, zeigen aber, wie wichtig jede Geste der Solidarität und Unterstützung ist.

Mit diesem kleinen Lichtblick und Ausblick auf die Möglichkeiten des Miteinanders und der zwischenmenschlichen Solidarität möchte ich auch gerne enden. Ich bedanke mich herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

Grusswort im Namen der Imame, Imam Nebi Rexhepi

Sehr geehrte Stadtpräsidentin Mauch
Sehr geehrte Stadträtin Rykart
Geschätzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung
Liebe Kollegen Imame, Präsidentinnen und Präsidenten

Der Monat Ramadan hat eine besondere Stellung und Bedeutung im Leben eins Muslims. Die Vorbereitungen zum Beginn des Ramadans sind für viele eine intensive aber gleichzeitig eine sehr schöne Zeit. Die Verantwortlichen in den Moscheen arbeiten auf Hochtouren. Die Teppiche werden detailliert gereinigt, die Fenster geputzt, oft werden die Wände neugestrichen und die Räumlichkeiten werden mit wunderschönen Düften besprüht. Es wird bis ins kleinste Detail geplant wie und wo die gemeinsamen Fastenbrechen durchgeführt werden. Die Familien kommen zusammen und die Gemeinschaft lebt. Sie lebt von all den Besucherinnen und Besuchern die täglich in die Moschee kommen. Man freut sich auf die Begegnung und die Begegnung mit seinen Freunden, Bekannten und Verwandten. Wenn man die Gesichter der Anwesenden anschaut, dann sieht man, wie bleich sie sind und wie ihre Körper abgeschwächt sind. Kein Wunder, denn während circa 15 Stunden hat man weder getrunken noch gegessen. Trotz der Schwäche überwiegt aber das Lächeln und die Freude in den Gesichtern. Die Freude des Gemeinsamen, der Gemeinschaft, der Verwandtschaft, der Freundschaft…
Wenn ich an diese Momente denke, dann weiss ich, dass der Monat Ramadan nicht nur ein Monat des Fastens ist, sondern ein Monat der Gemeinschaft.

In unserer vielfältigen Gesellschaft vergessen wir auch unsere Nachbarn und Freunde nicht, die nicht das Fasten praktizieren, oder nicht den gleichen Glauben wie wir teilen. Wir laden unsere Nachbarn ein und teilen auch mit ihnen den Moment der Freude des Fastenbrechens. Das sind ganz besondere Momente, die ich heute vermisse aber mich schon jetzt darauf freue, im nächsten Jahr wieder die gleichen Gefühle zu wecken und mit meinen Nachbarn zu teilen.
Damit wird der Monat Ramadan nicht nur zum Monat des Fastens und der Gemeinschaft, sondern auch der Monat der Begegnung.

In diesem Sinne ist der traditionelle Imam-Empfang ein Tag der Begegnung. Diese Begegnung hat mir und uns allen gefehlt, in den letzten zwei Jahren gefehlt. Die Umstände der Covid-19 Pandemie haben uns gehindert diesen Anlass zu organisieren, so wie sie uns gehindert haben die Begegnungen in den Gemeinschaften zu leben. Trotz all den Schwierigkeiten und den Verlusten die wir erlitten haben, haben wir gelernt die Momente der Begegnung stärker zu leben und zu geniessen.
Ich bete für all diejenigen die ihre Liebsten verloren haben, denn ihnen fehlt heute diese Begegnung. Und ich bete für alle die unter uns sind, die Momente der Begegnung zu geniessen.
Liebe Frau Mauch, liebe Frau Rykart, lieber Herr Meier, liebe Freunde, ich freue mich euch alle zu sehen und mit euch diesen Moment zu feiern.

Vielen Dank

Gottes Friede mit euch