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Grusswort zum Opferfest 2011

Grusswort zum Opferfest

Liebe Schwestern und Brüder

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Gottes Frieden sei mit Ihnen

Heute ist Opferfest. Ein Fest gedacht als freudiges Angedenken an Abrahams Gottesergebenheit; wir möchten durch unser eigenes Opfern, Gott für die Barmherzigkeit, die er seinem Diener gegenüber walten liess, danken.

Wie Ihnen allen bekannt ist, wurde Abraham von Gott einer Prüfung unterworfen, in dem er aufgefordert wurde seinen Sohn zu opfern. Abraham und sein Sohn bewiesen sich in der Standfestigkeit im Glauben und ihrer Hingabe. Dieses Vertrauen und Gehorsam gegenüber dem Schöpfer gedenken wir mit diesem Fest.

Dieses Fest der Freude ist gleichermassen auch ein Fest der Nachdenklichkeit, da wir mit unseren Opfern nicht nur einen Gottesdienst -den Willen Gottes – ausführen versuchen, sondern auch mindestens einmal im Jahr aufs neue prüfen, wie es mit unserer Gottesergebenheit steht. So betont auch der Koran „Ihr Fleisch erreicht Gott nicht, noch tut es ihr Blut, sondern eure Ehrfurcht ist es, die Ihn erreicht.“

Im Grunde erleben wir tagtäglich Prüfungen, bei denen unsere Gottesergebenheit, unsere Geduld und auch unsere wahren Absichten auf dem Prüfstand stehen. Ob das der Schmerz über den Tod eines Familienmitgliedes ist, ob es materielle oder seelische Bedrängnisse sind, die wir ertragen müssen, oder ob es ein vermeintlich sinnloser Verlust von unschuldigen Menschenleben auf dieser Welt ist. Wir müssen uns jedes Mal aufs neue in Standhaftigkeit und Opferbereitschaft üben, denn das Gegenteil, nämlich die Resignation, wäre ein anderes Wort für Unglaube. Also ist das Opferfest ein freudiges Fest mit einem sehr ernsten Hintergrund. Es sind keine Tage des unbedachten Opferns bzw. töten eines Tieres.

Muslimische Familien rund um die Welt und die Pilger in Mekka opfern um Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Nicht weniger wichtig ist aber der soziale Aspekt dieses Gottesdienstes, nämlich die Stärkung des Gemeinschafts- und Solidaritätsgefühls. Auch dieses Jahr kommen viele Schweizermuslime ihrer Pflicht des Opferns nach, indem sie Opfertierspenden in Regionen dieser Erde schicken, in denen Bedürftige und Arme leben. Diese Spenden bringen sie unbekannterweise näher, stärken ihren Respekt und ihre Liebe füreinander und bringen ihre gegenseitige Verbundenheit zum Ausdruck. So ist das Opfern selber ist ein Gottesdienst, aber das Teilen geradezu ein Segen, welches besondere Charaktereigenschaften und Gefühle wie Barmherzigkeit, Liebe, Respekt und Mitgefühl stärkt.

Unsere Hingabe und Gottesergebenheit sollten auch unsere Festtage vor Ort praktisch prägen. So kann das Fest, welches geleitet ist vom Gedanken der Barmherzigkeit, allen Menschen Freude machen. Sie wird uns dazu bringen, dass wir um uns herum allen: Kindern, älteren, kranken, alleinstehenden Menschen, Freunden, Nachbarn und Verstorbenen mit Respekt und Liebe begegnen oder gedenken. Sie wird Verstrittenen ermöglichen sich zu versöhnen, anderen ermöglichen ihre Fürsorge für andere auszuleben.

In diesem Sinne wünsche ich, im Namen der VIOZ, allen Schwestern und Brüdern ein friedliches und freudiges Opferfest. Möge dieses Fest uns, unseren Familien, der Gesellschaft, in der wir Leben und der ganzen Menschheit Segen bringen. Möge Gott, der Erhabene, unsere Bittgebete erhören, unsere Gottesdienste, insbesondere das Opfern und das Pilgern, annehmen und uns immer auf den richtigen Weg führen.

Dilek Ucak Ekinci

Vorstandsmitglied

Zürich, 06.11.2011