Tages-Anzeiger vom 16. Februar 2018: «Gerangel um die Seelsorge für muslimische Flüchtlinge – Zwei Zentren an den Universitäten Bern und Freiburg stehen in Konkurrenz»

“[…] Die muslimische Seelsorge im Bundesasylzentrum der Stadt Zürich bringe aus Sicht der Asylsuchenden, den Mitarbeitern und den christlichen Seelsorgern einen klaren Mehrwert, sagte David Keller, Leiter der Abteilung Verfahrenszentren im Staatssekretariat.
Dieses liess das Projekt vom Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg evaluieren. Gemäss dessen ­Direktor Hansjörg Schmid fungieren die Seelsorger als Brückenbauer zwischen den Herkunftsländern der Gesuchsteller und der Schweiz, sie vermittelten ein ­offenes humanistisches Verständnis des Islam. Sie könnten zudem zur Prävention der Radikalisierung beitragen, auch wenn dies nicht das Hauptanliegen der Seelsorge sei.
Insbesondere Frauen nehmen die Diens­te der Seelsorger im Juch in Anspruch. […] Laut David Keller wäre eine flächendeckende Einführung muslimischer Seelsorge in den Bundesasylzentren der Schweiz insgesamt wünschenswert.
Die Finanzierung aber sei ein ungelöstes Problem und von muslimischen Organisationen nicht zu leisten. Weder gebe es genügend ausgebildete muslimische Seelsorger noch fundierte Weiterbildungsmöglichkeiten. Deshalb wird gemäss einer Mitteilung des Staatssekretariats für Migration ein Lehrgang in der Schweiz für christliche und muslimische Seelsorgende angestrebt. Der Evaluationsbericht verschweigt allerdings, dass die theologische Fakultät der Universität Bern seit letztem Jahr einen solchen Lehrgang anbietet. […] Auch in den Medien wurde breit über den Pionierlehrgang berichtet, den Imame, muslimische Pädagoginnen, christliche Theologen und Hindu-Priester absolvieren. Unter diesen sind zwei der drei Seelsorger des Pilotprojekts im Juch. Auch Belkis Osman, die den Lehrgang im Mai abschliessen soll. Osman ist Vizepräsidentin der Vereinigung islamischer Organisationen Zürich, die mit der Umsetzung des Pilotprojektes im Juch betraut wurde. […] Es gebe verschiedene Facetten islamischer Seelsorge: Während man an der Universität Bern mehr auf den inter­religiösen und seelsorgerlichen Aspekt setze, betone das Freiburger Zentrum mehr die islamisch-theologische Auseinandersetzung. […].”

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Quelle: tagesanzeiger.ch, 16.02.2018
Bildquelle: Screenshot von tagesanzeiger.ch vom 16.02.2018