kath.ch vom 21. Februar 2018: «Viele Asylsuchende haben zu mir als Muslimin schneller Vertrauen»

“Belkis Osman ist muslimische Seelsorgerin im Asylzentrum Juch in Zürich. Im Interview mit kath.ch erzählt sie, worüber sie mit den Bewohnern des Zentrums spricht und warum ihre Religionszugehörigkeit dabei wichtig ist. […]

Gibt es Gespräche, die Sie als besonders schwierig empfinden?
Ein negativer Asylentscheid stürzt viele in eine Krise. Dann suchen auch Menschen das Gespräch mit mir, die vorher nicht kamen. In solchen Situationen können wir zwar keine Alternative anbieten, aber wir können sie von Kurzschlusshandlungen wie einem Suizid abhalten. Und wir können mit ihnen darüber nachdenken, wie sie die weitere Zeit am sinnvollsten nutzen.

An welche Begegnung erinnern Sie sich besonders?
Einmal habe ich mich zu einer traurigen Frau aus Afghanistan gesetzt. Sie hat sich daraufhin an mich geklammert und einen richtigen Weinkrampf bekommen. Ich bin dann mit ihr an die Limmat spazieren gegangen, vorbei an anderen Spaziergängern und Velofahrern. Die Frau konnte hier richtig durchatmen. Sie hat sich hinterher bedankt, dass sie auf diese Weise ein wenig von ihrer Last ablegen und am normalen Leben ausserhalb des Zentrums teilhaben konnte.

Viele Frauen öffnen sich leichter einer Frau gegenüber.
Belkis Osman, muslimische Seelsorgerin

Warum ist es wichtig, dass auch eine Frau unter den muslimischen Seelsorgern ist?
[…] Viele Frauen öffnen sich leichter einer Frau gegenüber, denn oftmals haben sie schlechte Erfahrungen mit den Männern gemacht, Erfahrungen von Gewalt oder Unterdrückung. Auch ist es in vielen asiatischen und afrikanischen Herkunftsländern der Asylsuchenden nicht üblich, dass Männer und Frauen normale Gespräche miteinander führen. […]”

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Quelle: kath.ch, 21.02.2018
Bildquelle: Screenshot von kath.ch vom 21.02.2018