NZZ vom 9. Februar 2018: «Machen Moscheevereine genug gegen die Extremisten in ihren Reihen?»

“Lassen sich Jugendliche vom radikalen Islamismus verführen, fällt dies oft auch ihren gemässigten Glaubensgenossen auf. Doch nicht immer erhalten die Behörden warnende Hinweise. […]

Es gibt nur wenige öffentlich bekannte Fälle wie diesen aus dem Mai 2015, in denen sich Moscheevereine aus eigenem Antrieb gegen radikale Kräfte zur Wehr setzen und die betreffenden Personen auch den Behörden melden. In vielen anderen Beispielen gibt es zwar deutliche Hinweise auf eine solche Zusammenarbeit. Doch die Behörden bewahren meist Stillschweigen. Und für die Moscheevereine ist das Thema heikel, stecken sie doch in einem Loyalitätskonflikt und setzen sich durch die Kooperation mit den Behörden der Kritik konservativer oder gar salafistischer Mitglieder aus. […] 
Für die Behörden ist diese Zusammenarbeit mit lokalen Moscheevereinen von grosser Bedeutung. Denn diese nehmen oft als Erste ein auffälliges Verhalten wahr, können es besser deuten als aussenstehende Beobachter und verstehen meist auch die Sprache, in der sich die betreffenden Personen ausdrücken.

Doch haben Moscheevereine in der Schweiz nach den Vorfällen um den Bieler «Hassprediger» und die An-Nur-Moschee in Winterthur die Zeichen der Zeit wirklich erkannt? Ja, sagt Markus Klinkner. Der Finanzfachmann ist zum Islam konvertiert. Bei der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ), dem kantonalen Dachverband der Muslime, ist er für die Prävention zuständig. Klinkner wartet mit einer Fülle an Aktivitäten auf: interne und öffentliche Workshops und Referate, Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen, Weiterbildungen für VIOZ-Kaderleute im Bereich Radikalisierung und anderes mehr. In der Deutschschweiz, sagt Klinkner, nehme die VIOZ damit eine Pionierrolle ein. […] Das Problem liege vor allem darin, dass radikalisierte Gläubige nicht leicht zu identifizieren seien und dass die Moscheeverantwortlichen diese meist gar nicht kennten, sagt Klinkner. Aus Gründen des Datenschutzes würden die Behörden der VIOZ die Namen dieser Personen auch nicht weiterleiten. Er wirft den Behörden indirekt sogar vor, «junge Radikale an die Wand knallen zu lassen», anstatt vorzeitig einzugreifen.
Trotz diesen Vorbehalten erachtet Klinkner die Zusammenarbeit mit den Behörden im Allgemeinen als gut; die VIOZ stehe in engem Austausch mit den Stadtpolizeien Zürich und Winterthur sowie mit der Kantonspolizei. Wenn der Dachverband von Ausreiseplänen radikalisierter Jugendlicher erfahre, könne er die Kantonspolizei ohne Nennung der Namen darüber informieren, dass in einer bestimmten Moschee derartige Probleme bestünden. «Ohne uns wären mehr Jugendliche ausgereist», sagt Klinkner. «Und ohne uns wären weniger Personen im staatlichen Deradikalisierungsprozess.» […] Der Chef der Präventionsabteilung des Kantons Zürich, Reinhard Brunner, bestätigt, dass die Verantwortlichen der VIOZ mit den 16 «Brückenbauern» vom Kanton in gutem Kontakt stünden. Vom Dachverband beziehungsweise von Vertretern von Moscheevereinen hätten die Zürcher Behörden tatsächlich «Hinweise» zu radikalisierten Personen bekommen.
Um wie viele Verdächtige es sich handelt, will Brunner aber nicht sagen. […]”

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Quelle: nzz.ch, 09.02.2018
Bildquelle: Screenshot von nzz.ch vom 09.02.2018