Neuigkeiten

Medienmitteilung: VIOZ begrüsst die vom Zürcher Regierungsrat verabschiedeten Leitsätze zum Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften

Die Vereinigung der Islamischen Organisationen Zürich (VIOZ) als Dachverband von 35 muslimischen Vereinen im Kanton Zürich begrüsst die angestossene Debatte vom Regierungsrat, in der es um das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften geht. Mit dieser Debatte erhalten muslimische Gemeinschaften zwar keine verfassungsrechtliche Anerkennung, jedoch nimmt die VIOZ erfreut zur Kenntnis, dass in den Leitsätzen das positive gesellschaftliche Potential von Religionsgemeinschaften hervorgehoben und das Leben von Religion im öffentlichen Raum innerhalb des gesetzlichen Rahmens anerkannt wird.

Gleichzeitig ist es begrüssenswert, dass Religionsgemeinschaften auch zur Verantwortung gezogen, für den uns allen gemeinsamen liberalen und demokratischen Rechtsstaat einzustehen.
Die VIOZ hat sich bereits 2005 mit ihrer Grundsatzerklärung für die schweizerische Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, den gesellschaftlichen Frieden, gegen Gewalt und Terror, für die Universelle Erklärung der Menschenrechte, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, Integration und den interreligiösen Dialog ausgesprochen. Ebenfalls teilen wir als VIOZ die Haltung des Kantons, dass es für den Umgang mit den nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften, zu denen momentan auch die Muslime gehören, klare Handlungsgrundlagen braucht. Die vom Kanton angesprochenen Bereiche der Seelsorge und Jugendarbeit, aber auch z. B. die Extremismusprävention bedürfen einer Regelung und Unterstützung durch staatliche und andere gesellschaftliche Akteure, da hier die muslimischen Gemeinschaften bisher fast nur in ehrenamtlichem, privaten Engagement handeln. Institutionalisierte Strukturen hingegen ermöglichen die nötige Koordinations- und Betriebsfunktion um solche wichtigen Problem- und Regelungsbereiche partizipativ und sinnvoll angehen zu können.

Ebenso freut es uns sehr, dass sich das Kirchenparlament der Katholischen Kirche im Kanton Zürich an seiner Sitzung vom 7. Dezember 2017 für die Unterstützung des langfristigen Prozesses der staatlichen Anerkennung muslimischer Gemeinschaften ausgesprochen hat. Sehr dankbar nehmen wir auch zur Kenntnis, dass die Katholische Kirche des Kanton Zürich die muslimische Seelsorge in öffentlichen Institutionen wie Spitälern, Pflegeheimen oder Gefängnissen mit einem jährlichen Betrag von 25‘000 Franken unterstützen wird. Dass die Katholische Kirche, wie es in ihrer Medienmitteilung heisst, am Prozess der Anerkennung festhält, „auch wenn der Weg für die muslimischen Gemeinschaften noch weit ist und die Voraussetzungen für eine öffentliche Anerkennung heute nicht gegeben sind“, zeugt von ihrer ehrlichen, partnerschaftlichen und konstruktiven Haltung innerhalb des interreligiösen Dialogs.

 

Quellen:
– Medienmitteilung, Medienkonferenz (Video) “Leitsätze zum Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften”
Orientierung «Staat und Religion im Kanton Zürich» (PDF, 21 Seiten, 190 kB)