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kath.ch vom 4. Dezember 2017: «Sehnsucht nach Heimat und Sinn»

“Das Stapferhaus im aargauischen Lenzburg lud unter dem Titel «Glaube als Heimat: Zwischen Bedürfnis und Bedrohung» den Theologen Thomas Wallimann-Sasaki und den Imam Sakib Halilovic zur Diskussion ein.
Ein Eindruck aus diesem Gespräch: Heimat ist ein zartes Geschöpf. […]

Immer weniger Leute, so Moderator Alain Gloor, seien Mitglied einer Kirche. Dennoch gebe es viele Menschen, für die der Glaube ein grosses Bedürfnis sei. Dass der Glaube für viele nicht nur Bedürfnis, sondern geradezu Heimat sei, das bestätigten der Theologe und Sozialethiker Thomas Wallimann-Sasaki und Sakib Halilovic, Imam der Zürcher Justizvollzugsanstalt Pöschwies, in einer anregenden Diskussion.

Sakib Halilovic, der auch im Vorstand der Vereinigung islamischer Organisationen von Zürich (VioZ) tätig ist, sagte: «Für uns Muslime ist der Glaube ein Bedürfnis. Das entspricht dem Glauben des Islams, nach dem der Mensch mit dem Glauben auf die Welt kommt.» Nach der islamischen Lehre gebe der Glaube den Menschen den Sinn des Lebens. Das Bedürfnis nach Glaube und Sinn begegne ihm auch bei seiner Arbeit als Gefängnisseelsorger, bei Menschen, die in ihrem Leben einen Fehler gemacht hätten. Aber auch dann, wenn etwas Schönes passiert. Sakib Halilovic: «Gläubige Menschen haben dann das Bedürfnis, sich bei Gott dafür zu bedanken.»

Doch Heimat ist nicht nur ein Gefühl, sondern hat auch eine gesellschaftspolitische Dimension. Heimat kann auch durch Religion bedroht werden. Wenn Religion zur Bedrohung werde, so Thomas Wallimann-Sasaki, dann sei eine Beziehungsstörung vorhanden. Der Dialog komme nur schwer in Gang. Der Sozialethiker, der weiss, dass Religion wärmen, aber auch andere verbrennen kann, unterstrich: «Um das Spannungsverhältnis konstruktiv pflegen und gestalten zu können, muss der einzelne wie in einem Orchester sein Instrument vorher stimmen, um mit anderen zu musizieren.» Ohne genaues Hinsehen, differenzierte Argumentation und Offenheit gehe es nicht. Der einzelne lebe immer in der Spannung zwischen sich, der Religionsgemeinschaft und der Welt. […]

Wie kann es sein, fragte der Moderator, dass die Gesellschaft immer säkularer wird, und dennoch Themen wie Spiritualität und Religion boomen? Wenn jemand die Kirche verlasse, antwortete Sakib Halilovi, dann bedeute dies oft nicht, dass diese Person seinen Glauben nicht mehr ausübe. Der Imam sagte: «Sie sind von Strukturen enttäuscht, nicht aber von Gott.» Sinnfragen seien für solche Menschen weiterhin wichtig. Thomas Wallimann-Sasaki sieht dies genauso. […]”

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Quelle: kath.ch, 04.12.2017
Bildquelle: Screenshot von kath.ch vom 04.12.2017