kath.ch vom 3. Januar 2018: «In bester demokratischer Manier»

“Die respektvolle Art, wie junge Muslime im «Project-Träff» über Meinungsverschiedenheiten diskutieren, berührt. Solche Initiativen zeigen, dass der Islam zur Schweiz gehört, findet kath.ch-Redaktorin Sylvia Stam in ihrem Kommentar.

 Sie sind jung, sie sind Schweizer, sie sind Muslime. Und sie haben Fragen: Nach Sinn, nach Werten, Fragen zu ihrem Glauben. In ihren existenziellen Fragen unterscheiden sie sich kaum von ihren gleichaltrigen nicht-muslimischen Kolleginnen und Kollegen. Anders als diese, erfahren sie sich jedoch als Minderheit in einer historisch gesehen christlichen, zunehmend jedoch säkularen Mehrheitsgesellschaft.

Die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Fragen im «Project-Träff» vorbringen, berührt. Ebenso die Achtsamkeit, mit der diese vom Moderationsteam aufgegriffen werden, und der Respekt voreinander, der in der Diskussion spürbar wird. Dies umso mehr, als diese jungen Menschen einer Religion angehören, die immer wieder angefeindet wird, die sich immer wieder zu Rechtfertigung und Abgrenzung gezwungen sieht angesichts fundamentalistischer und terroristischer Fanatiker.

Es wäre zu wünschen, dass solche Initiativen sichtbarer werden. Damit deutlich wird, dass sich junge Muslime in bester demokratischer Manier über Meinungsverschiedenheiten austauschen können. Dass sie Minderheitsmeinungen respektieren und Kompromisse suchen. Und dass es somit ausser Frage steht, dass der Islam zur Schweiz gehört.”

Erfahren Sie weitere Einblicke im kath.ch Artikel: «Gläubig zu sein, heisst oft schon, konservativ zu sein».

“Der Verein Ummah
Der Verein «Ummah» wurde 2009 gegründet aus der Motivation heraus, ein Netzwerk für junge Muslime und Musliminnen in der Schweiz zu schaffen. Der Name entstand aus den Begriffen «unmittelbar, muslimisch, multikulturell, aktiv und hilfsbereit», er erinnert gleichzeitig an den arabischen Begriff «Umma», der die Gemeinschaft aller Muslime bezeichnet.

Schwerpunkt des Vereins sind Aktivitäten für Jugendliche und junge Erwachsene wie der im Haupttext beschriebene «Project Träff», aber auch Unterhaltungsabende oder Workshops zu Themen von Kalligraphie bis Radikalismus. Ein zweiter Schwerpunkt sind Jugendlager. Der Verein basiert auf Freiwilligenarbeit und bezieht Jugendliche möglichst partizipativ ein. Der Verein Ummah finanziert sich aus den Mitgliederbeiträgen und Spenden seiner Mitglieder. Für einzelne Veranstaltungen werden Teilnahmegebühren erhoben. Der Verein hat gut 100 Aktiv- und gut 40 Passivmitglieder.

Die meisten Vereinsmitglieder sind in der zweiten oder dritten Generation in der Schweiz, über die ursprünglichen Herkunftsländer wird keine Statistik geführt. Ummah arbeitet mit dem Freiburger Jugendverein «Frislam»zusammen und ist Mitglied der Vereinigung Islamischer Organisationen Zürich sowie des «Forums junger Christen und Muslime».”

Den obigen Kommentar von kath.ch-Redaktorin Sylvia Stam finden Sie hier.

Quelle: kath.ch, 03.01.2018
Bildquelle: VIOZ