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Der Bund vom 22. Dezember 2017: «Unternehmen schaffen Weihnachten ab»

“Bei Spotify können Mitarbeiter Feiertage so beziehen, wie es ihnen passt. Wie Schweizer Unternehmen das handhaben.

Pendeln die einen an den Weihnachtstagen zwischen Gänsebraten, Glühwein und Guetsli hin und her, sind die freien Tage für andere ein Grund für Langeweile. […] In Schweden haben erste Unternehmen aus diesem Grund die offiziellen Feiertage abgeschafft. Der schwedische Streamingdienst Spotify gehört dazu. Er hat stattdessen das Konzept der «flexiblen Feiertage» eingeführt. Mitarbeiter können also beispielsweise an Weihnachten arbeiten und die Freitage zu einem anderen Zeitpunkt beziehen.

Sei dies nun Yom Kippur, Diwali, der internationale Tag gegen Homophobie oder Transphobie: «Jeder Mitarbeiter soll die Möglichkeit haben, das zu feiern, was ihr oder ihm wichtig ist», sagt Katarina Berg, Personalchefin bei Spotify. Das Konzept stammt daher, dass bei Spotify Menschen aus 90 Ländern arbeiten. Nicht allen sind dieselben Feiertage wichtig. Mit einer solchen flexiblen Regelung könnten Unternehmen gleich auch das Problem der Unterbesetzung über die Feiertage beheben. Sind Weihnachten und Ostern für alle zwingend frei, fahren viele Mitarbeiter gleichzeitig in die Ferien. […]

In der Schweiz ist eine entsprechende flexible Regelung schwierig. «Arbeit an gesetzlichen Feiertagen ist grundsätzlich verboten», erklärt Anwalt Martin Steiger. Als einziger eidgenössischer Feiertag gilt der erste August. Sonst dürfen die Kantone maximal acht weitere Feiertage bestimmen, die als Sonntage gelten (Arbeitsgesetz Art. 20a Abs. 1) . In Zürich sind das etwa der Neujahrstag, Karfreitag, Ostermontag, der Weihnachts- und Stephanstag. «Ein Arbeitgeber darf also nicht erlauben, dass eine Arbeitnehmerin beispielsweise am ersten August arbeitet und dafür an einem gewöhnlichen Werktag frei nimmt», so Steiger.
Laut Gesetz ist ein Arbeitnehmer berechtigt, an Tagen, die nicht als kantonaler Feiertag gelten, die Arbeit auszusetzen. Er muss sein Vorhaben dem Arbeitgeber aber spätestens drei Tage im Voraus anzeigen. Für den Besuch von religiösen Feiern muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer auf dessen Wunsch die erforderliche Zeit nach Möglichkeit freigeben, so das Gesetz (Art. 20a Abs. 3 ArG). […]

Die aktuelle Situation ist zwar nicht ideal. Dennoch können sich die meisten Arbeitnehmer mit ihren Vorgesetzten arrangieren
Abduselam Halilovic, Medienverantwortlicher, Vorstand VIOZ

Ist das den Vertretern anderer Religionsgruppen genug?
Abduselam Halilovic, Sprecher der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) erklärt, dass die meisten Muslime an den beiden Festtagen Id al-Fitr und Id al-Adha einen Freitag eingeben. Solange es keine Änderung der gesetzlichen Feiertage gebe, werde diese Lösung fortbestehen. «Die aktuelle Situation ist zwar nicht ideal. Dennoch können sich die meisten Arbeitnehmer mit ihren Vorgesetzten arrangieren», so Halilovic. […]

Um flexible Feiertage einzuführen, müsste in der Schweiz zuerst das Gesetz geändert werden. Druck dafür gibt es bereits vonseiten der Freidenker-Vereinigung Schweiz: Präsident Andreas Kyriacou forderte etwa zuletzt in der «Aargauer Zeitung», dass Feiertage wie Auffahrt oder Pfingsten, bei denen die meisten die religiöse Bedeutung kaum mehr kennen, geschweige denn ihre Tagesplanung danach ausrichten, in Gesetzestexten nicht mehr als spezifisch religiöse Feiertage gelten. […]”

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Quelle: derbund.ch, 22.12.2017
Bildquelle: Basierend auf Screenshot von derbund.ch vom 22.12.2017